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Er
gehört nicht zu denen, die mit diplomatischen Floskeln um
Gefühle herumreden. "Klar", sei das
"frustrierend" gewesen, sagt Thomas Wohlfahrt, erst so
weit gekommen und dann doch "nur" Zweiter geworden beim
großen Star Search von SAT1. Aber die Enttäuschung, fährt der
30-jährige Allgäuer fort, habe sich "auch schnell wieder
gelegt, weil es ging ja weiter." Und wie es weitergeht für
ihn. Nämlich mit einer Debütsingle, von der selbst Sieger
manchmal nur träumen können. Mit "Through The Storm"
etabliert sich Wohlfahrt – begleitet von den Berliner
Symphonikern – auf Anhieb als gewichtige Classic-Rock-Stimme.
"Der Song bedeutet mir auch vom Text her sehr viel",
sagt er. "Denn ich hab‘ ja auch schon schlechte Zeiten
gehabt, und jetzt beginnt die gute Zeit. Das passt einfach
zusammen."
Es passte von Anfang an mit ihm und der Musik in Altusried. Da war
die Gitarre des Vaters, der einst in einer Top 40-Band die Beatles
und die Rolling Stones gecovert hat, "die gefiel mir sehr
gut, da hab‘ ich mir gesagt, auf der möchte ich irgendwann
selbst mal spielen." Mit 11 Jahren war’s dann soweit, mit
16 hatte er seine erste Schulband. Später lernte Thomas Wohlfahrt
Großhandelskaufmann, war bei der Bundeswehr als Ausbilder tätig
und zuletzt zivil als Versandleiter. Doch die Musik blieb seine
treue Begleiterin, die fast die gesamte Freizeit ausfüllte, zumal
er seine jeweiligen Bands auch noch selbst gemanagt hat. "Der
große Traum war schon damals, mal von der Musik leben zu
können", erinnert sich der Freddie Mercury-Bewunderer.
"Also von dem, was ich wirklich gern mache. Aber ich bin
diesem Ideal nie groß hinterhergesprungen." Höchstens mal
mit dem einen oder anderen Demo seiner Band, die in den letzten
Jahren auch verstärkt eigenes Material anbot, "aber da kam
nie was zurück, da haben wir dann auch bald die Lust dran
verloren."
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Foto:
Petra Preuss |
Also
warum nicht mal eine Casting-Show? Star Search war sein erster
Versuch - und gleich ein Volltreffer. "Als ich soweit
gekommen war, hab‘ ich mir gesagt: Ok, ich freu mich, dass ich
den einen Fernsehauftritt hab‘", rekapituliert Thomas
Wohlfahrt die aufregenden Anfänge. "Da können mich viele
Leute auf der Bühne kennenlernen. Ich war nie davon ausgegangen,
dass ich da groß weiterkomme. Aber dann gings Wochenende für
Wochenende immer einen Schritt weiter." Vor allem konnte er
Stück um Stück beweisen, welche Wandlungsfähigkeit seiner
imposanten Stimme innewohnt. In seinem Repertoire funkelte "Here
I Go Again" (Original: Whitesnake) ebenso wie Elton John’s
"Your Song", "It’s Not Unusual" von Tom
Jones nicht minder als "Can’t Fight This Feeling" von
REO Speedwagon. "Ich wollte mein Können zeigen und dabei
Spaß haben. Also hab‘ ich mir von den verschiedenen
Stilrichtungen die Lieder rausgesucht, die mir am besten gefallen
haben – egal, ob das nun ankommt oder nicht. Ich bin immer davon
ausgegangen: Das ist heute mein letzter TV-Auftritt, also will ich
die Lieder, die mir gefallen. Und dann hat’s wieder geklappt, na
ja und so weiter. Ich hab‘ da nicht großartig weiter gedacht,
was könnte gefallen, wie soll‘ ich mich bewegen, sondern
einfach so aus’m Bauch raus gesungen."
Doch
für sein erstes Album, das im Oktober erschien, ging Thomas
Wohlfahrt mit den Berliner Symphonikern noch einmal ganz andere
Wege, unterstützt von dem renommierten Produzenten Gerhard
Kämpfe, dessen Expertise auf dem Rock-Klassik-Terrain bereits
durch seine Arbeit mit den Scorpions hinreichend dokumentiert ist.
"Ich fand die Idee sehr gut, weil’s mal was anderes
ist", sagt Wohlfahrt. "Und weil mir die Musik einfach
sehr gut gefällt. Mit dem Orchester im Rücken klingt das alles
ein bisschen exklusiver und dramatischer." Zumal er nicht
einfach in Star Search-Spuren weiter covert, sondern
ausschließlich Originalmaterial zu Gehör bringen wird, darunter
mit "You’re The :Love Of My Life" auch ein Stück,
welches er selbst verfasst hat. "Ich wollt‘ einfach zeigen,
dass ich nicht nur interpretieren, sondern auch meine eigenen
Ideen verwirklichen kann. Das war mir schon wichtig."
Zuvor musste aber erstmal das Eis in Richtung Orchester gebrochen
werden. Und wie er das beim Videodreh hinbekam, charakterisiert
auch den geradlinigen Typ Thomas Wohlfahrt gut. "Ich hab‘
gemerkt, dass die doch mit einigem Abstand zu mir gekommen sind.
Da hab‘ ich mich einfach vor die Symphoniker gestellt und
gesagt: Ich find’s toll, dass ihr hier mitmacht und bin sehr
stolz, euch dabeizuhaben. Da waren sie wohl schon ein bisschen
verwundert, dass ich mich das getraut habe. Beim Videodreh hab‘
ich dann Klavier gespielt und mich dabei auch verspielt. Da fing
der eine Geiger an zu lachen und da hab ich gesagt: Ich hab‘
schon gesehen, dass du gelacht hast. Da sagt er: Ja, tut mir leid.
Und ich sage: Ich kann halt nicht besonders Klavier spielen. Und
er sagt: Ja, und ich kann nicht singen! Das hat mir schon
imponiert, dass er mir so durch die Blume sagt, dass ich singen
kann. Das fand‘ ich ganz toll. Und dann haben wir noch viel
Spaß gehabt beim Dreh."
Den
plötzlichen Rummel um seine Person, der Thomas Wohlfahrt in Form
autogrammjagender Teenies selbst in die Wirtshäuser seiner Heimat
verfolgt, versucht er mit der ganzen Erfahrung seiner 30
Lebensjahre zu handhaben. "Man hat einfach schon mehr mit
Menschen zu tun gehabt, und lässt sich halt nicht so viel und
so schnell von irgendjemand was erzählen, vielleicht weil man
auch schon auf negative Erfahrungen zurückschauen kann. Also, ich
hätt’s mir mit 21, 22 nicht so zugetraut. Und ich wunder mich
schon, wie ich das jetzt alles so wegstecke." Doch Träume
hat man nicht nur mit 17. Für Thomas Wohlfahrt fielen Auftritte
mit Herbert Grönemeyer oder Rainhard Fendrich in diese Kategorie.
Oder auch ein gemeinsamer Gig mit der kalifornischen Band Toto
("Hold The Line"), musikalisch wohl seine größte
Inspiration. "Das wäre schon was Tolles, so Open-Air vor
30.000 Leuten oder so." Und dann ist da noch ein anderer
Traum, aus dem eher der leidenschaftliche Hobby-Koch spricht,
nämlich "irgendwann mein eigenes Käse-Lokal zu
eröffnen." Aber das ist ein Traum für "nach der
Musik." Nach "Through The Storm" und diesem
Debütalbum von Thomas Wohlfahrt ist klar: Die Gourmets werden
sich wohl noch ein wenig gedulden müssen.
Text:
Polydor
Homepage:
www.thomas-wohlfahrt.de |