4LYN - Interview - 28.05.01
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Was habt Ihr vorher
gemacht?
Bevor wir bei der
Plattenfirma unterschrieben haben, hatten wir alle unsere Jobs. Braz
hat Schuhe verkauft, Chino hat Grafikdesign studiert, Biggdeee hat in
einem Provinztheater als Lichttechniker gearbeitet und Wicked war in
einem Getränkemarkt tätig und hat den Laden gemanagt. Priorität war
aber schon immer die Musik!
Wegen dem früheren Bandnamen Headtrip gab es rechtliche Schwierigkeiten. Wie seid Ihr auf den Namen 4LYN gekommen?
Das ist eine ganz
witzige Geschichte. Eine Schachtel der Zigarettenmarke NIL, lag
verkehrt herum auf dem Tisch im Proberaum. Chino sah das und sprach
das Wort laut aus, das vor ihm stand. Braz hörte in einem anderen
Raum nur LYN (mit Y geschrieben) und gab dem ganzen die Bedeutung
"Little Young Nasty". Lyn war dann lange Zeit erstmal nur
ein Arbeitstitel für einen Song von uns, der heute auch auf unserem
Album zu hören ist. Als es um einen neuen Bandnamen ging, kam einem
unserer beiden Manager die Idee, uns LYN zu nennen. Das war im Grunde
keine schlechte Idee, dachten wir. Aber erst als wir die 4
(stellvertretend für uns vier Musiker) noch davor stellten, war es
der richtige Name für uns "Four Little Young Nastees"!
Was sind für Euch die z.Z. angesagtesten Bands?
Das ist bei jedem total
unterschiedlich. Dabei kommt es nicht darauf an, ob eine Platte bzw.
Band gerade neu, oder schon zehn Jahre alt ist. Das wahre ist das, was
wir im Tourbus hören. Ich (Braz) stehe auf alles. Wenn ich mir meinen
CD-Ständer ansehe, dann ist alles gemischt, bei uns hat keiner etwas,
wo man sagt, da mache ich mich fest. Oft auch gegenteilige Musik, die
nichts, oder nur wenig mit Metal zu tun hat. Wicked zum Beispiel hört
gern Creed.
Habt Ihr Vorbilder?
Ja, aber eher aus dem
Privatleben. Unsere musikalischen Vorbilder liegen schon sehr weit zurück
und kommen eher aus der Zeit, als man angefangen hat, Musik zu machen.
(Kane Wicked) Guns n' Roses und Aerosmith. (Braz) Sein Vater
aber auch. (Kane Wicked) Das fing so an: Mein Dad hat sein lebenlang
selbst Rockmusik gemacht, ich bin mit der Musik groß geworden. Er hat
Zeppelin und die Stones gehört. Alles was Rockmusik ist. Das prägt
schon ziemlich. Mit 11 habe ich meine erste Aerosmith Scheibe gekauft
und da war alles klar. (Braz) Ich habe früher nur HipHop gehört. Ich
mochte Leute mit langen Haaren generell gar nicht. Es gab immer den
Zwist, entweder hat man Rock oder HipHop gehört, oder man war eine
Popschwuchtel. Ich war immer der Hip-Hopper. (Biggdeee) Meine
Vorbilder sind und waren Queen. Damals waren sie die härteste Band,
die ich kannte. Wenn man sich mal eine Platte von A-Z durch hört, so
wird man feststellen, das die Auskopplungen, die Singles, immer sehr
Mainstream waren. Im Grunde gingen die Platten aber immer richtig zur
Sache.
Ihr habt euer Album allein produziert und einen namhaften Produzenten abgelehnt, warum?
Genau. Wir haben früher
schon immer alles in Eigenregie gemacht und haben es einfach mal
probiert mit einem "Großen". Wir sind dabei leider nicht
auf einen Nenner gekommen. Es war einfach nicht 4Lyn, was da raus
gekommen ist. Biggdeee hat früher unsere Demos produziert. Er hat sie
überdurchschnittlich gut produziert, was uns jeder sagte. Viele Leute
hören sich heute noch lieber die Demos an. Warum auch immer. Wir
hatten sehr viel Vertrauen von unserer Plattenfirma entgegengebracht
bekommen, in dem sie uns angeboten hat, die Platte selbst zu
produzieren. Und das haben wir gemacht. Jeder Song auf diesem Album
ist 100% 4LYN. Zusammen mit unserem Live-Mischer Flow Rock Skee, der
sein eigenes Tonstudio besitzt und sich dem entsprechend mit der
ganzen Technik auskennt, haben wir letzten Endes die Platte
aufgenommen. Kein Big Boss, kein überteuerter Produzent. Nur wir fünf
in einem kleinen Studio für eine großartige Produktion. Wir lieben
das Album.
Gibt es bei Euch eine Aufteilung wer die Texte schreibt, wer die Songs?
(Braz) Da ich der
unmusikalischste bin und irgendwie nur singe, rappe und schreie, mache
ich die Lyrics und die anderen 3 machen die Musik. Ich kann allerdings
schon sehr, sehr nervig werden, wenn ich eine musikalische Idee habe.
Die Songs entstehen bei uns fast immer im Kriegszustand, weil jeder
eine Idee hat, die er durchboxen will. Das geht dann so lange, bis wir
auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Das kann zwar ganz schön lange
dauern, aber mit dem Ergebnis ist dann auch wirklich jeder von uns
zufrieden.
Also, wenn ihr Euch alle einig seid?
Ganz genau. Jeder hat
Ideen, die wir in einen Topf werfen und jeder ergänzt den anderen.
Wenn es alle cool finden, muß es gut sein. Dann gibt es keine
Reibungspunkte mehr. So haben wir angefangen, Musik zu machen und so
haben wir unseren Style entwickelt.
Eure Singel "Bahama Mama" sollte eigentlich eher erscheinen, warum wurde die Veröffentlichung verschoben?
Stimmt. Eigentlich
sollte sie schon Ende April erhältlich sein. Wir hatten uns dann doch
umentschieden und wollten erst die Platte rausbringen und anschließend
die zweite Single. Dadurch konnten wir den Album-Release um eine Woche
vorverlegen. Wir hoffen, daß sich diese Entscheidung auf den
kommenden Festivals als gut herausstellen wird. Dadurch kennen einfach
schon mehr Leute die Platte und sie wissen ungefähr, was sie Live
erwarten wird.
Um was geht es bei dem Song "Bahama Mama"?
(Braz) Bei "Bahama
Mama" geht es um eine utopische Liebesgeschichte, die sich so nie
zugetragen hat. Dabei nehmen wir uns selbst etwas auf die Schippe. Wir
nehmen uns generell nicht sehr ernst. Trotzdem gibt es auf unserem
Album auch ernste Songs. "Bahama Mama" ist eine Geschichte,
die auf das sonnige Wetter zurück zu führen war. Wir hatten diese
Idee in einer Bar. In der Cocktailkarte gab es ein Getränk namens
"Bahama Mama". Ich hatte die Idee, diesen Namen als
Songtitel zu verwenden. Der Song existierte bereits. Er hatte diesen
karibischen touch durch die Hawaii Gitarren und was paßt da besser,
als eine sonnige Liebesgeschichte mit einem leicht offenen Ende.
Wirklich passiert ist sie nie. Es geht um eine Frau von der ich
verschmäht werde, die meine Liebe nicht erwidert. Die Leute, die das
Video bereits gesehen haben, wissen, worum es geht. Das Ende wurde
meiner Meinung filmisch sehr gut umgesetzt.
Dann habe ich oft gelesen, daß ihr als "Papakornbizkit" bezeichnet werdet. Ärgert Euch das?
Gerade im deutschen
Musikbereich ist es ja so, daß grundsätzlich gern und viel
verglichen wird. Viele dritt-klassige, selbsternannte "möchte-gern"
Plattenkritiker meinen, sie müßten jetzt ihre persönliche Meinung
zu dem Album kund tun und uns mit allem vergleichen, was gerade hip
ist. Aber wenn man sich mal die Bandhistorie anschaut, sehe ich eine
Band, die seit 5 - 6 Jahren genau diese Mucke macht und die von den
Idealen, mit denen wir heute verglichen werden, gar nichts zu tun hat.
Als wir angefangen haben Musik zu machen, war Limp Bizkit noch in
weiter Ferne. Papa Roach oder Linkin Park, Crazy Town. So etwas gab es
damals alles einfach noch nicht. Aber jetzt werden wir mit diesen
Bands in einen Topf geworfen, wir haben es relativ schwer damit. Es
ist halt so, daß Bands wie Crazy Town und Limp Bizkit, die heute
super bekannt sind, vor 2 Jahren noch so gut wie gar keine Medienpräsenz
hatten. Mittlerweile werden sie im Fernsehen rauf und runter gespielt.
Wenn dann aus Deutschland eine Band nach geschoben wird, die in diese
Richtung geht, heißt es gleich, sie sei gecastet und ein reines
Fake-Produkt. Nur machen wir diese Musik schon seit fast 7 Jahren. Es
gab Vorwürfe das wir Stücke vorgesetzt bekämen und die Plattenfirma
uns nur rausschießt. Im Grunde können wir den amerikanischen
Vorreitern nur dankbar dafür sein, daß sie jetzt gehypt werden.
Dadurch schaffen sie ein Forum, in dem wir es letztenendes leichter
haben, unsere eigene Musik einem größeren Publikum zu präsentieren.
Jetzt liegt es an uns selbst am Ball zu bleiben. Andererseits ist es für
uns ein riesen Kompliment, mit einer Band verglichen zu werden, die
mittlerweile ihr 3. Album raus gebracht hat, während es für uns ja
gerade erst mal das Debut ist.
Was hat sich für Euch verändert seit Ihr einen Plattenvertrag habt?
Wir haben jetzt die Möglichkeit
7 Tage in der Woche Musik zu machen. Der größte Vorteil für uns, ständig
unterwegs sein zu können, ergibt sich aus der Tatsache, daß wir alle
unsere früheren Jobs an den Nagel gehängt haben. Normalerweise kann
man nicht in der Woche Konzerte spielen, proben, oder wie hier jetzt
Interviews geben, weil du arbeiten mußt, um deine Miete zu zahlen. Früher
waren wir froh wenn wir 100 Flyer verteilen konnten, heute ist es fast
normal das wir bei Radiosendern Interviews geben und dadurch viel mehr
Zuhörer erreichen können.
Spielt ihr auch weiterhin gerne in kleinen Clubs?
Ja, die Kleinsten sind
die Besten. Wir haben vorgestern in einem kleinen Zirkuszelt gespielt,
das war der Hammer! Bei Dieser Art von Locations entsteht durch
die intime Atmosphäre eine sehr starke Energie zwischen uns und dem
Publikum. Den Vergleich zu größeren Hallen haben wir auch nicht
unbedingt. Denn bis auf die Support-Tour für Papa Roach, haben wir
sonst immer in Jugendzentren, Schulen e.t.c. gespielt. Jetzt geht es
eigentlich erst los mit den Festivals wie Rock am Ring und Rock im
Park, sprich den großen Bühnen.
Was bedeuten euch Freunde?
Die Welt eigentlich. (Braz)
Meinen Freundeskreis habe ich immer dabei. Die Leute die hier am Tisch
sitzen. Ohne unsere Freundschaft zueinander wäre solch ein Leben, wie
wir es zur Zeit führen, nicht möglich. Ständig hängt man mit den
Jungs ab. Auch dann, wenn man mal keinen Bock auf sie hat und genervt
ist, oder im kleinen Tourbus durch die Gegend fährt, oder was auch
immer. Und man lernt immer wieder neue Freunde kennen, so wie z.B. die
Mädchen aus Berlin, die erst Fans waren und dann zu Freunden wurden.
Die letzte Nacht haben wir bei ihnen übernachtet. Sie haben die ganze
Wohnung irgendwie freigeräumt und sogar was zu essen am Start gehabt.
Super geil!
An dieser Stelle möchte
ich mich noch einmal für das Interview bedanken und wünsche 4LYN
viel Erfolg!
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