Das Department

„Brennstoff“ (VÖ 11.06.01) 

2001: HipHop ist in Deutschland zur dominierenden Jugendkultur geworden, zum Massenkult. Und wie bei jedem Massenkult will jeder ein Stück vom Kuchen abhaben, auf allen nur erdenklichen Ebenen. Die schnelle Mark verdienen. Wie jede Subkultur, die ihren vorläufigen Zenit bald erreicht hat, steht auch HipHop, bzw. seine musikalische Äußerungsform, kurz vor dem totalen Ausverkauf. Man kann inzwischen auf eine eigene Rap-Geschichte zurückblicken, wenngleich eine verhältnismäßig kurze, aber immerhin eine, die inzwischen verdammt ernst genommen wird. Die Zeiten der Nachsicht mit den noch unreifen, ausbaufähigen Novizen im deutschen Sprechgesang sind endgültig vorbei, jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Und siehe da, auf einmal reicht es nicht mehr aus, mit „derben Skills“ übers Kiffen zu rappen, Inhalte sind gefragt. Und die Szene ist – im wahrsten Sinne des Wortes – sprachlos. Es fehlt an Ideen, deshalb tritt man nun ein in die Phase, sich gegenseitig zu zerfleischen. Krasses Dissen und hartes Battlen ist angesagt. Es lebe das amerikanische Vorbild – dog eat dog! 

Doch es geht auch anders. Und es mag nicht verwundern, dass neue Impulse – mit allem nötigen Respekt vor Jan Delay – ausgerechnet aus Berlin kommen. Der Stadt, in der bereits 1971 eines der ersten Häuser in Deutschland besetzt wurde. Und genau dort, im politischen Lager, liegen die Wurzeln einer Band, die 30 Jahre später für Furore im deutschsprachigen Rap sorgen wird: Das Department. 

Nun, um ehrlich zu sein, lediglich Bruder ist waschechter Berliner, seine Kollegen Kronstädter und Hinnack kommen ursprünglich aus dem norddeutschen Raum. So seltsam diese drei Namen sich anhören, so für HipHop-Verhältnisse untypisch ist der jeweilige Background der drei. Hinnack zum Beispiel ist seit seinem 12. Lebensjahr in Bands aktiv und hat von Schlagzeug über Gitarre bis hin zu Bass so ziemlich jedes Instrument gespielt, das den Sound einer organisch klingenden Liveband trägt. HipHop hat ihm bewußt gemacht, mit wie wenig Mitteln – 2 Turntables and a Microphone – man ein perfektes Konzert realisieren kann.

Bruder kann ebenfalls auf lange Jahre als Musiker zurückblicken, sei es als treibende Kraft hinter der Berliner Funk-Rap-Truppe CPS oder als aggressiver Ankläger bei der Hardcore-Formation Gunjah. Seine gesellschaftliche Sozialisation erfolgte – womit wir wieder beim politischen Background wären – in dem bereits erwähnten ersten besetzten Haus Berlins, dem sogenannten „Rauch-Haus“.

Auf den Multi-Instrumentalisten Kronstädter, der vorher in zahlreichen Reggae-, Funk-, Rap- und Crossoverformationen musikalische Erfahrungen gesammelt hatte, trafen beide während der Aufnahmen zum HipHop-Hörspiel „Hüttenkäse“, doch das ist eine andere Geschichte ... Zusammen bilden die drei nun Das Department. Und dieses Department hat im Vergleich zu einem herkömmlichen Ministerium gleich mehrere Aufgaben:

Verkrustete Strukturen aufbrechen 

Sind sie HipHop, oder sind sie’s nicht? Während in Deutschland jeder zweite damit beschäftigt ist, genau zu definieren, wie man als „echter“ HipHopper zu klingen hat, was erlaubt ist und was nicht, stecken Das Department die Grenzen weiter. „Wir haben lange darüber diskutiert, wo wir uns positionieren“, so Hinnack, „und sind zu dem Schluß gekommen, dass es total überflüssig ist, darüber zu reden. Beats, Styles, Samples und Raps sind uns wichtig. Wir machen die Musik, die dabei herauskommt, wenn wir drei zusammen ins Studio gehen. Und wir müssen keine Normen erfüllen, um eine Zugangsberechtigung zu HipHop zu bekommen.“ Word! An den Skills der beiden MCs müssen sich andere erstmal messen! 

Scheuklappendenken bekämpfen 

Das Department macht Musik. Mit Beats, Styles, Samples, Raps und jeder Menge Funk. Aber auch mit Gästen. Das verschachtelte „Anpfiff“ featuret Sera Finale vom Mikrokosmos, bekannt von seiner Arbeit mit Pyranja, sowie Sen, eine kurdische Sängerin aus Berlin. „Sellout!“ werden manche schreien, denn Hinnack, Bruder und Kronstädter haben sich nicht davor gescheut, R&B-Elemente in einen relaxten Track wie „Hang Up?“ oder bei dem ambitionierten „Alles Gerade lügt“ einzubauen. Doch dies ist nicht nur ein weiterer Querverweis auf die musikalische Vergangenheit der drei, in der das Live-Feeling einer Band stark betont wurde, sondern funktioniert auch wie ein Spiegel für die teils paradoxen Argumentationsweisen der deutschen Szene: Was bei den Amerikanern Gang und Gebe ist, wird bei heimischen Acts immer noch mit Misstrauen beäugt. In diese Kategorie fällt auch „Tinitus“, die Kollabo mit den Crossover-Pionieren H-Blockx, die mit ihren satten Gitarrenriffs den im Titel Besungenen beim Hörer hinterläßt. Das Department macht aber auch Hörspiele. Wie z.B. das obengenannte vom Department produzierte „Hüttenkäse“ oder „Stopper“.Beide übrigens nach Texten von T.Staffel.Und dann gibt es ja auch noch diverse Filmmusiken( z.B. „Halb Acht“, „Welcome to Amerika“, „Jungs zum Anfassen“) 

Meinungsfreiheit gewährleisten 

Die wohl kontroverseste Nummer und gleichsam beeindruckendste wie überraschendste Kollabo auf dem Album „Brennstoff“ ist „Bullenbeat“, auf der die Berliner KMC gefeatured werden und die exemplarisch steht für die Haltung des Departments: Stellung beziehen, auch wenn’s weh tut. Und – wie auf dem ganzen Album – sich keiner Selbstlimitierung bei der Umsetzung der musikalischen Visionen zu unterwerfen. 

Politisches Bewußtsein schärfen 

Klar, auch Hinnack, Bruder und Kronstädter machen gern Party („... und abgehda!“) und sind wahrlich alles andere als bierernste Moralisten, dennoch verlieren sie dabei nicht die Realität aus den Augen. In „Vernetzt“ geben sie im Zeitalter des www-Hypes Links zu den Schattenseiten des Netzes, und das Ton-Steine-Scherben-Cover „Wir müssen hier raus“ (von der „Erben der Scherben“-Platte „Keine Macht für Niemand“, einer vom Department initierten Neuauflage der 72er TSS Kultscheibe. Außer dem Department dabei: Schorsch Kamerun, H-Blokx, Ferris& Tobi, Nina Hagen, Thomas D. u.v.a.) spricht für sich. „Viele Rapper der deutschen Szene vertreten sehr intelligente Thesen zu gesellschaftspolitischen Fragen, wenn man sich mit ihnen mal abseits des ganzen Show-Zirkus unterhält“, weiß Hinnack. „Warum sie die dann nicht in ihren Texten verarbeiten, ist mir ein Rätsel.“ 

Kunst befreien 

Eine gesellschaftspolitische Frage – und die stellt sich momentan gerade in der boomenden Hauptstadt Berlin – ist die nach der Macht, den öffentlichen Raum zu gestalten. Die ehemalige Mauerstadt gleicht einer einzigen Baustelle, alternative Szenen wandern von Bezirk zu Bezirk, immer auf der Flucht vor der Vereinnahmung durch findige Bauspekulanten, die in ehemals „verrufenen“ Stadtteilen die neuen Szeneviertel wittern. Kein Wunder, dass Graffiti, insbesondere das aggressive Streetbombing, das Stadtbild prägt. Hinnack, der selbst bereits mit zeitgenössischer Kunst gedealt hat: „Graffiti ist ein Ausdruck davon, sich den öffentlichen Raum zurückzuerobern. Der Versuch, kreativ Dinge umzusetzen. Der Kampf gegen die Verunreinigung des Stadtbildes durch gekaufte Werbeflächen.“ 

Gängige Marketingstrategien aufbrechen 

Das Department entziehen sich erfolgreich Kategorisierungsversuchen und gängigen Rastern. Zu Beginn ihrer Karriere ließen sich die drei noch nicht einmal mit ihren Gesichtern fotografieren, um allein die Musik für sich sprechen zu lassen. „Künstler brauchen heutzutage nicht mal mehr Talent oder den Anspruch, Kunst machen zu wollen, um trotzdem erfolgreich zu sein“, statet Bruder. „Man entwickelt einen Marketingplan, entwirft ein Image, holt sich irgendwen aus der Masse und macht den zum Star.“ Glücklicherweise gibt es aber auch immer die, die den anderen Weg wählen. Die Musik um ihrer selbst willen machen, auch Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen .., 

... und trotz allem Spass haben!

 

CD-Release Party am 20.05.01 von BERLIN MACHT SCHULE / Folge 2

 

Im TV wurde in einer Sendung vom FAB über Berlin macht Schule berichtet.

 

Juni 2001

Am 16.06.01 waren DAS DEPARTMENT beim Mellow Park Jam dabei... Fotos hier.

 

April 2002

Am 21.04.01 waren DAS DEPARTMENT beim kenfm zu Gast. Hier viele Fotos...
Am 28.04.02 wurde kenfm 1 Jahr alt und Bruder & Kronstädter kamen zum Geburtstag feiern... Sie traten mit den Beatsteaks auf ! Fotos davon...

 

 

 

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