kenfm - 25.01.02
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Nina |
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Hamburg
lässt seine heisseste Tochter auf den Rest der Republik los. Nina gibt den
Takt vor. Mit ihrer ersten Single „Doppel X Chromoson“ trat sie kraftvoll
die Tür ein: Hier bin ich. Das kann ich. Eine Künstlerin, die ihren eigenen
Stil mit Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und Können entwickelt hat. Nina geht es
um ihre eigene Form des am Ball bleibens, um Wandel und Beständigkeit – und
vor allem um eine wilde Liebe zur Musik, zu Beats und Reimen, darum, eigene
Musik zu machen und nicht irgendwelche Regeln zu befolgen, die von irgend
jemandem aufgestellt werden. Aber
das Ganze am besten der Reihe nach: Nina
stammt aus Hamburg. Ihre Eltern verpflanzen sie jedoch im zarten Alter von fünf
in die Bausparmetropole Schwäbisch Hall. Es passiert nichts. Langeweile
herrscht vor. Jedenfalls meistens. Ab und zu gibt’s Besuch bei Nina zu Hause von einem alten Sandkastenfreund aus Hamburg.
Der bringt dann irgendwann die erste filmische Kunde von Hip Hop, „Wildstyle“,
mit zu Nina ins Schwabenland. Doch die hat, man glaubt es kaum, auf den
sauberen Bürgersteigen von Schwäbisch Hall schon längst selbst den ersten
B-Boy entdeckt, der den Electric Boogie macht. Nina fängt Feuer für die
Musik und für den Style. Bei einem Urlaub in New Jersey schenkt ihr Cousin
ihr ein Run DMC-Tape. Nina ist geflasht. Spätestens
jetzt gehen das Tempo ihres Musikgeschmacks und das von Schwäbisch Hall endgültig
nicht mehr zusammen. Mit fünfzehn Jahren zieht sie in einer Nacht- und
Nebelaktion zurück zu ihrem Vater nach Hamburg. Hier kocht die frühe
Hamburger Der
Weg zum ersten eigenen Track damals fast mehr ein Spiel, doch im Rückblick
der erste Schritt einer konsequenten, musikalischen Entwicklung. Noch ahnt
niemand, welchen Impact „deutscher“ HipHop schon bald haben wird. Außer den Fantastischen Vier, Fettes
Brot und den Jungs aus Rödelheim ist an der Konsumenten-Oberfläche niemand
zu hören. Der Rest werkelt zwar fleissig vor sich hin, ist aber gleichzeitig
viel zu sehr in wilde Debatten über den einzig wahren Sound, den einzig
wahren Style verstrickt. Wir
schreiben das Jahr 1995. Hamburg ist „aufgeteilt“ in Viertel. Aus Altona
kommen die harten Jungs, in Eppendorf wohnen die Weicheier mit den
Steppjacken. Nina fühlt sich weder für die eine noch für die andere Seite
zuständig. Schließlich ist sie in Eppendorf groß geworden und lebt später
in Altona. Ihrer Mentalität haben diese seltsamen Grabenkämpfe sowieso nie
entsprochen. Nina und Tim setzen sich mit Ironie und Leichtigkeit über das
Theater hinweg, nennen sich „Altona Money Squad“ und bringen ein prolliges
Battlestück raus. Und
an dieser Stelle kommt Bubblez in Spiel, Teil der Doppelkopf-Crew und von nun
an der musikalische Weggefährte an Ninas Seite. Der Mann mit der unfassbaren
Plattensammlung, dicht an der Materie und genau dem richtigen Gespür für ihr
Potential und ihren Style. Durch dick und dünn, hoch und tief, über viele
Jahre eben. Für Nina, zu dem Zeitpunkt blutige Anfängerin mit dem Drang zu
schreiben und zu singen, ist er der richtige Produzent. Bubblez und Nina
wachsen zusammen (obwohl Bubblez nicht besonders viel spricht). Er schneidert
die Beats, sie die Texte. Sie entwickeln sich. Wenn man mit jemandem unterwegs
ist, hält man ihm auch die Treue – ein Nina Motto übrigens, dass er sich
genauso auf die Fahnen geschrieben hat. Aber
auch einige andere Produzenten wie zum Beispiel Andy Meid finden mit Nina den
Weg ins Studio. Es folgen weitere eigene Stücke und eine erste Veröffentlichung
auf dem „Kurz und schmerzlos“-Sampler. Und während sonst viele
HipHop-Karrieren auf der Bühne beginnen, startet Nina zuerst im Studio durch.
Ihr Training ist die permanente Übung an Liedern. Schon damals feilt sie mit
ihren Partnern an eher melodiösem HipHop, schreibt Texte, Texte, Texte und
Lieder mit Strophen und Refrains. Es ist der tendenziell weiche, warme und
organische Sound, der es ihr angetan hat. Es
kommt der Tag an dem auch Nina auf die Bühne will und muss. Keine geringere
Veranstaltung als die Weihnachtsjam 1998. Doch nachdem das erste Lampenfieber
überwunden ist, geht es nach vorn. Es folgt die Tour mit Einz Zwo und später
mit Deichkind, die sie in vielerei Hinsicht mit auf gute Reise nehmen. Die
Single „Bon Voyage“ rast in die Charts. Wieder ein neues Tempo, eine neue
Dimension. Nina macht die Erfahrung, dass eine Chartplatzierung mit sich
bringt, dass selbst der stoischste Fan auf ihren Liveauftritten noch die
letzte Zeile mitsingt. Was für ein Gefühl! Was für ein gutes Argument gegen
schlechtgelaunte Undergrounddebatten. Und
unter noch eine lästige Frage soll ein Schlußstrich gezogen werden. Wie ist
es denn überhaupt so mit Frauen und HipHop in Deutschland? Was ist feminin an
deutschem Hip Hop? Eine Frage, die übrigens immer nur den Frauen und nie den
Männern gestellt wird. Auch als Antwort darauf schreibt Nina „Doppel X
Chromoson“. Dass sie inzwischen für andere junge Frauen, die extra wegen
ihr zu den Konzerten kommen, ein Vorbild ist, ehrt sie. Es ist halt etwas
Besonderes und sicher auch Ermutigendes, wenn eine Frau es in einem
weitgehenden männlichen Umfeld nach vorne schafft. Nicht nur im Hip Hop. Offz.
Homepage: www.nina-nikita.de
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