Oasis

Oasis

Oasis sind: Liam Gallagher (vocals, rhythm guitar), Andy Bell (bass) , Noel Galagher (guitar) guitar) and Alan White (drums).

Elf Jahre nach dem aller ersten Gig in ihrer Heimatstadt Manchester, acht Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Definitely Maybe“, mit der die Band eine Generation, die den Glauben an den Rock’n’Roll völlig aufgegeben hatte, wieder zu Musikkäufern machte, fünf Jahre nach dem allmählichen Abebben des Mittneunziger-Medienwahnsinns um die Band, ist es kein Geheimnis, warum Millionen Menschen nach wie vor Oasis lieben. Es ist ihre Ehrlichkeit. Diese Jungs sind ehrlich. Wir vertrauen Oasis - wir haben es immer getan. Uns war klar, dass die Gallagher-Brüder echt sind, als wir ihr erstes Album hörten...

Und das ist auch der Grund, warum Noel Gallagher vor einigen Monaten, am Tag des Vorverkaufsstarts der 120.000 Tickets für die beiden „Finsbury Park“-Sommerkonzerte, bereits gegen Mittag einen Anruf seines Managers entgegen nehmen konnte, der ihm mitteilte, dass sich nicht das Geringste geändert hatte. Alle Tickets seien restlos ausverkauft und seine Band nach wie vor „the biggest thing in British rock“. „Und das, ohne dass irgendjemand auch nur einen Ton unseres neuen Albums gehört haben konnte“, erinnert sich Noel und nickt anerkennend mit dem Kopf. „Wir hätten ja auch ein Reggae-Album machen können.“

Natürlich haben sie KEIN Reggae-Album gemacht. Anstatt dessen schufen sie „Heathen Chemistry“: Explosiv? Yesss! Experimentell? Mitnichten. Ihr fünfter Studiolongplayer ist schlichtweg ein weiteres, großartiges Oasis-Album. Ihr bestes - glaubt man Noel Gallagher - seit ihr zweites „What’s The Story Morning Glory“ zum meistverkauften, britischen Album aller Zeiten wurde (1996 verkauften Oasis 18 Millionen Alben). „Wir haben uns ein kleines bisschen weiterentwickelt“, konstatiert Noel. „Aber um uns selbst komplett neu erfinden zu können, müssten wir grundsätzlich gekünstelt oder unecht sein - und das sind wir ganz einfach nicht. Ich könnte kein ‚Alter Ego‘ annehmen und ich weiß, Liam könnte es auch nicht, weil ich dann hinter ihm stehen würde und ihn hänseln müsste: ‚Du siehst aus wie ein Depp‘. Davon abgesehen glaube sowieso nicht, dass ich in Lederhosen gut aussähe. Unsere Lieblingsbands sind nach wie vor die Beatles und die Sex Pistols. Wir machen Oasis-Musik und basta.“ Da ist sie wieder, diese Ehrlichkeit. Wen überrascht es da, dass es auch zum Albumtitel nichts weiter Tiefschürfendes zu sagen gibt? Er stammt schlicht von einem T-Shirt, dass sich Noel irgendwann in Ibiza kaufte.

„Ich liebe diese Platte“, gesteht er, „aber ist ja auch völlig klar, dass ich das sagen würde, oder?“ Mit jedem anderen beliebigen Popstar würde man einen solchen Sarkasmus sofort teilen. Da er nun aber nun einem Mann stammt, der so unbarmherzig selbstkritisch ist, dass er die Existenz des dritten Oasis-Studioalbums praktisch totschweigt, einem Mann, der selbst über das exzellente letzte Album „Standing On The Shoulder Of Giants“ sagt, es enthielte lediglich drei oder vier großartige Songs, einem Mann, der für den Marketinghype, der die ganze Industrie zu verschlingen droht, nur bittere Geringschätzung übrig hat, hört man zu wenn er sagt: „‘Heathen Chemistry‘ ist eine bessere Sammlung von Songs als die letzten zwei oder drei es waren. Am Ende des Tages läuft es darauf hinaus: Die Songs sind einfach besser. Obwohl es immer schwieriger wird. Ich werfe viel mehr Material weg als früher. Ein ‚Raspberry Field Forever‘ zu schreiben reicht einfach nicht.“ „Ich weiß nicht, ob ich heutzutage ein besserer Songschreiber bin als früher“, gesteht er. „Aber die Band generiert eine gewisse Atmosphäre, die ganz offensichtlich bessere Songs hervorbringt.“ Er scheut sich, diese These weiter zu vertiefen, gibt aber zu, dass die Tatsache, dass Liam drei, die neuen Mitglieder Gem Archer und Andy Bell jeweils einen Song beigetragen haben, ihn möglicherweise ermuntert haben, eine Schippe draufzulegen. „Vielleicht hat es was mit dem bandinternen Wettbewerb zu tun, ich weiß es nicht. Keith Richard sagte einst: ‚Du suchst nicht nach den Songs, sie finden Dich.“

Oasis

„Die besten Song“, erklärt der 35jährige Bandleader, „strömen nur so aus Dir heraus. Du sitzt da mit einer Gitarre, einem Stück Papier und einem Stift. Wenn dann die erste Zeile klappt, kommt der Rest sofort wie von selbst.“ Dies passierte mehrfach im vergangenen Sommer. „Ich lebte in einem Hotel in der Nähe des Buckingham Palastes. Ein warmer Tag, nix im Fernsehen, verliebt in meine Freundin. Da schrieb ich ‚She Is Love‘ in zehn Minuten. Mit ‚Live Forever‘ war es damals ganz genau so. Das sind letztendlich die Songs, die den Menschen etwas bedeuten. Du schreibst ihn, setzt den Wasserkessel auf, kommst wieder, singst ihn auf einem Kassettenrekorder, hörst ihn Dir noch einmal an und sagst: ‚Fertig‘. Sechs Monate später singen Dir 60.000 Menschen auf einem Feld den Text auswendig. Wie würdest Du das nennen?“ Auf ähnliche Art und Weise entstand auch die neue Single „Stop Crying Your Heart Out“. „Der Song fand mich ganz einfach“, erinnert er sich. „Er handelt davon aufzustehen und mit dem Leben voran zu kommen, ein besseres Leben für sich selbst zu schaffen und nicht zu versuchen, das eigene Schicksal auf Biegen und Brechen zu verändern.“ Straßenmusiker weltweit sind gut beraten, das Stück flugs einzustudieren: Es ist das „Wonderwall“ seiner Zeit. „Es hat das Potenzial, ein massiver, weltweiter Hit zu werden“, prognostiziert der Komponist. Wenn „She Is Love“ von Noels neuer Freundin handelt, werden einige sicherlich spekulieren, ob „Force Of Nature“ wohl ein Song über seine Ex-Frau ist. Falsch. „Ich werde diese Frage wohl eine Million mal beantworten müssen“, entgegnet er matt. „Ich schrieb den Song für einen Film mit Jude Law und Johnny Lee Miller, ein ganzes Jahr bevor ich geschieden wurde und ich habe das Video, das dies beweist. Ich werde die Kassette zu allen Interviews mitnehmen, die jetzt anstehen.“

Es ist wenig verwunderlich, dass Noel immer noch über das gewisse Etwas verfügt, das man zum großen Songwriter benötigt - nun stellt aber heraus, das auch sein Bruder Liam dazu im Stande ist, phantastische Lieder zu schreiben. „Als ich das Stück ‚Born On A Different Cloud‘ hörte“, erinnert sich Noel, „wäre ich nie darauf gekommen, dass es von Liam ist. Ich war mir sicher, dass er schwindelt. Doch dann versicherte er mir: ‚Nach allem, was ich durchgemacht habe - wenn ich dann nicht in der Lage bin, solche Song zu schreiben, wäre er wohl ein ganz schöner Nichtsnutz.‘ Früher oder später sollte dieses Talent wohl zum Vorschein kommen...“ Nun ist es soweit und Liams älterer Bruder registriert diese Entwicklung mit großem Stolz. Sollte es nun danach klingen, als würden die beiden gut miteinander klar kommen, dann möglicherweise, weil sie es auch wirklich tun. Die Brüder haben ihre Angewohnheiten der „frühen Heimflüge von Tourneen“ und „angedrohten Trennungen“ ad acta gelegt. Anstatt dessen setzen Oasis nun auf Langfristigkeit. „Meine Liebe zu diesem Jungen ist in den letzten Jahren stetig gewachsen“, gesteht Noel, „Er ist einfach echt. Die Leute sagen immer, er versucht, einem Image gerecht zu werden. Aber er war schon immer so: Ein Großmaul mit frechem Mundwerk, aber witzig. Mittlerweile hat er kapiert, das man sich bei der Arbeit nicht so aufführen kann, als sei man sechzehn, wenn man eigentlich dreißig ist. Sobald er sich ernsthaft mit Songwriting zu beschäftigen begann, hörte er sofort mit dem Saufen auf...“ Dank dieser Veränderungen, und - das ist Noel besonders wichtig - dem beruhigenden Einfluss der Qualitätsmusiker Gem und Andy liefen die Aufnahmen entspannter Atmosphäre ab, ununterbrochen von den sonst üblichen Wutausbrüchen und Unterbrechungen. Die Energie und die Einstellung, die schon immer zu den Stärken der Bands gehörten, wurde diesmal komplett in die Musik gesteckt und nicht, um weiter den eigenen Mythos zu nähren. Und das zahlt sich aus. „Wir sind kein Strohfeuer mehr“, sagt Noel selbstbewusst. „Wir machen das jetzt seit über zehn Jahren. Wir waren auf dem Gipfel des Berges, konnten den Ausblick genießen und es war wunderschön. Wir waren aber auch ganz unten - Bandmitglieder verließen uns, Drogen, Alkohol, Rechtsstreitigkeiten. Keiner bracht uns mehr zu sagen, was wir zu tun haben - wir wissen, was wir tun. Wir haben es immer getan. Wir waren die kleinsten, wir waren die Größten, wir waren die Besten.“ Und einmal mehr, wenn die Welt erst einmal „Heathen Chemistry“ gehört hat, wird auch die Welt einmal mehr zustimmen, dass Oasis wieder die Besten sind.

Offz. deutsche Homepage:  Oasis

 

 

 

 

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