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"Es ist wie
es ist"
In einer so erfolgreichen Band wie PUR verhält es sich ganz ähnlich wie in
einer gut funktionierenden Familie: Ein optimales harmonisches Miteinander
ist nur gegeben, wenn es gelegentlich etwas gesunde Distanz gibt. Hartmut
Engler und seine vier Mitstreiter haben das beherzigt und nach dem letzten
gemeinsamen Album respektive dem darauf folgenden Bühnenspektakel und
Mammutunternehmen PUR klassisch eine kreative Pause eingelegt, in der
jeder Musiker seine eigenen Wege ging, sowohl privater als auch
professioneller Natur. Umso gewinnbringender gerieten die Aufnahmesessions
für das neue Studiowerk "Es ist wie es ist". "Da haben wir sofort wieder
gespürt, was wir aneinander haben", konstatiert der Frontmann, Leadsänger
und Texter Hartmut Engler, "wenn man sich an einen gewissen Luxus gewöhnt
hat, dann empfindet man den manchmal nicht mehr als solchen." Die Mischung
aus Neugier und Vertrautheit, aus Spaß und Ernsthaftigkeit bildet denn
auch die künstlerische Basis für das neue Werk von fünf Musikern, die sich
menschlich wie musikalisch eng miteinander verbunden fühlen.
Grundlage für jedes Album von PUR ist auch das blinde Verständnis zwischen
dem Komponisten und vielseitigen Keyboarder Ingo Reidl, dem Poplyriker und
Sänger Hartmut Engler und Martin Ansel, dem kongenialen 6. Mann von PUR,
welcher als Arrangeur, Produzent und Mitmusiker tätig ist. In dieser
Kombination hat sich in all den Jahren des gemeinsamen Schaffens ein
Autorenteam allererster Klasse entwickelt. Ergänzend sind Joe Crawford,
Rudi Buttas und Roland Bless unverzichtbar, wenn es gilt, den
musikalischen Rahmen von PUR zu vervollständigen. Zusammen harmonieren
diese Musiker als eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Bands
Deutschlands.
"Es ist wie es ist", das erste Studioalbum seit drei Jahren, haben PUR
diesmal von Anfang bis Ende, von den ersten Entwürfen bis zu den finalen
Arrangements, in heimischer Umgebung eingespielt. Ein glänzendes Heimspiel
in vertrauter Umgebung und auch das mag sehr viel zu der intimen Nähe
beigetragen haben, die die insgesamt vierzehn neuen Songs ausstrahlen. Im
Frühjahr dieses Jahres war bereits die Benefizsingle "S.O.S." erschienen,
mit der PUR als Schirmherren den Bau eines SOS Kinderdorfs in Nigeria
tatkräftig unterstützt haben; auch die Einnahmen des Songs aus den
Albumverkäufen werden diesem humanitären Anliegen zugeführt. Nach ihrer
Reise vor Ort haben die Musiker von PUR für jeweils eines der Kinder die
Patenschaft übernommen.
Die aktuelle Single "Weil Du bei mir bist" ist eines von drei sehr
persönlichen Liebesliedern, die Hartmut Engler als bekennenden Romantiker
und schlichtweg glücklichen Menschen zeigen, der es versteht, ganz ohne
Pathos und Kitsch Herzensangelegenheiten in wahre Poesie zu kleiden.
"Wunderschön", ein Loblied auf die Schönheit, bezieht sich auf den ersten
Blick auf rein äußerliche Attribute, ist aber auch ein klares Statement,
dass wahre Schönheit von Innen strahlt. "Bis der Morgen kommt" rundet
diese lockere Trilogie mit einer sinnbetörenden und seelenvollen Ode an
eine Liebesnacht ab - eine körperliche Pianoballade, die bei den Fans mit
Sicherheit schnell in den Kanon der Kerzenlicht- und Kuschelhymnen
aufgenommen werden wird. Im Überschwang der positiven Gefühle, die Hartmut
Engler beim Schaffensprozess durchströmt haben, hat er sich auf drei
weitere Gesten besonnen, in denen eine besondere Liebe zu Mitmenschen
ihren Ausdruck findet: Das durch ein eindringliches Pianomotiv
hervorstechende "Mit dir" ist ein Ingo Reidl gewidmetes Hohelied auf ihre
langjährige Freundschaft und gemeinsame Arbeit, "Rolf rockt" eine
mitreißende Hommage an einen verstorbenen Jugendfreund und einstigen
Mitmusiker und "Danke" all jenen Fans gewidmet, die PUR über Jahrzehnte
treu geblieben sind.
Während sich die Band musikalisch auf gewohnt hohem Niveau bewegt, hat
Hartmut Engler auf dem neuen Album erkennbar ein ums andere Mal
innegehalten und ist in sich gegangen. Dabei sind neben den zuvor
genannten Songs auch Titel wie "Glauben" entstanden. "Woher kommt die
Kraft, die für uns das Lebens- und das Liebenswerte schafft?", heißt es in
dem Refrain in Anlehnung an ein berühmtes Zitat aus Goethes "Faust". PUR
hatten schon immer ein feines Gespür für die Philosophie des Alltags, aber
auch für menschliche Psychologie. Das findet seinen Ausdruck in einem
potentiellen Stimmungsmacher wie "Der arme graue Kater", einer der
ausgelassenen Songs des Albums, der mit Lust und Laune Rockgitarren à la
Queen aufjaulen lässt. Dieses humorvolle und durchaus selbstironische
Porträt eines in die Jahre gekommenen Aufreißers wäre vor einigen Jahren
vielleicht noch nicht denkbar gewesen. PUR sind in vielerlei Hinsicht
reifer und weiser geworden. Antworten auf alle Fragen finden sie deswegen
noch lange nicht. Im Gegenteil: "Immer wieder", das dramatische
Psychogramm einer vereinsamten Alkoholikerin, lässt viele Fragen des Warum
und Weshalb offen. Und "Streiten" zeigt eher die gegenseitige
Betroffenheit und den enormen Energieverlust einer unglücklichen, wenn
nicht unheiligen Liaison auf.
Wie schicksalsergeben wir durch unser Leben gehen, wie wenig Einfluss wir
auf bestimmte Dinge haben, die uns widerfahren, diesem Umstand spürt der
Titelsong nach. "Es ist wie es ist" entstand, nachdem Hartmut Engler sich
urplötzlich einer ernsten Stimmbanderkrankung ausgeliefert sah. Am Ende
ist zwar alles glimpflich verlaufen und der Zukunft dieses Ausnahmesängers
steht nichts mehr im Weg, nichtsdestotrotz darf dieser zentrale Song des
Albums als Ansporn gesehen werden, aus jeder Lebenssituation das Beste
herauszuholen und Schicksalsschlägen mit Optimismus zu begegnen. Zudem
wartet "Es ist wie es ist" mit einem der komplexesten Arrangements in der
Bandhistorie auf. Dass bei aller Ernsthaftigkeit auch mal die Zeit kommt,
wo man einfach nur Party im Kopf hat und sich gehen lassen will, auch wenn
der berühmt berüchtigte Morgen danach grausam ist, auch darüber haben PUR
mit "Nächstes Mal" einen passenden Song im Programm.
Apropos gute Vorsätze, appellieren PUR zu guter Letzt mit dem zwingend
swingenden "Streng Dich an" an all jene Zweckpessimisten und Miesmacher,
die in unserem Land für notorisch schlechte Stimmung sorgen. Die
Fußballweltmeisterschaft, von der kompletten Band mit Begeisterung
verfolgt, hat schließlich gezeigt, dass es hierzulande auch ganz anders
gehen kann. PUR halten für nichts und niemanden Patentrezepte parat, gehen
aber in vielerlei Hinsicht mit gutem Beispiel voran. Ihr 25-jähriges
Bandjubiläum hängt die Band erst gar nicht an die große Glocke, freut sich
dafür umso mehr über ein rundum gelungenes Album, das so wie es ist
verdammt gut ist. "Es ist wie es ist" fügt sich nahtlos in das schillernde
Gesamtwerk einer Band, die immer wieder dann zur absoluten Hochform
aufläuft, wenn sie bei den Konzerten von ihren Fans gefeiert wird. Bis zur
Hallentournee im Herbst, die selbstverständlich wieder einige akustische
und visuelle Überraschungen bereithalten wird, ist es ja nicht mehr lang
hin.
Text: EMI |