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“... Nothing can
come close/To this familiar feeling ... I never doubted it/What's for
you will not pass you by . . .”
"Familiar Feeling", Moloko
Wahre Worte aus dem Munde der unglaublich charismatischen, mit einer
unverwechselbaren Stimme gesegneten Club-Queen Roisin Murphy. Doch neben
eben jenen typischen, unverwechselbaren Moloko-Melodielinien wissen auch
die immer wieder innovativen und zugleich eingängigen Beats des
Songwriters Mark Brydon zu begeistern. Nächstes Frühjahr wird also
kaum ein Medienkonsument an Moloko vorbeikommen...
Klingen uns doch noch die hormonbeflügelnden Gassenhauer der letzten
Jahre (wie „Fun For Me“, „Sing It Back“ oder „The Time Is Now“)
in den Ohren, so wird sich „Familiar Feeling“ Ende nächsten Jahres
ohne Probleme in diese Hit-Auflistung einreihen können...
Oder um es mit der göttlichen Roisin zu sagen:
„...It's all there ever was, and it's all there ever will be. How
could you have questioned us? It's yourself you deceive...”
Doch wie begann eigentlich die Erfolgsgeschichte dieses charakterlich
und musikalisch sich so wunderbar ergänzenden Duos? Wie so manch eine
schicksalsträchtige Verbindung sollte auch diese auf einer Party ihren
Anfang finden. Und mit der erfrischend unverblümten Frage einer jungen
Irin (Roisin Murphy) an einen damals schon äußerst erfolgreichen, aber
eher nüchternen Produzenten und Remixer (Mark Brydon) „Do You Like My
Tight Sweater?” sollte im Jahre 1996 mitten in Sheffield
Pop-Geschichte geschrieben werden. Die deckungsgleiche Vorstellung, was
die drei Stützpfeiler der musikalischen Weiterentwicklung betraf,
sollte denn auch für ihren sich kontinuierlich steigernden
Bekanntheitsgrad sorgen: Zum einen Perfektion in der Soundqualität
sowohl im Studio als auch live, des weiteren das starke Bedürfnis, die
oftmals in der elektronischen Musik zu nüchtern gehaltenen Beats durch
einen intensiven Live-Gefühl-Ansatz zum Leben zu erwecken als auch
-last but not least – die ungeheure Experimentierfreude, mit der jedes
neue Werk angegangen werden sollte.
Ausgiebiges Touren in UK festigten ihren Status als äußerst
ernstzunehmendes junges Duo und so entstand 1998 das zweite Album „I
Am Not A Doctor“ als herausragendes Beispiel, wie sehr man sich durch
zwar großartige, jedoch nicht leicht zu verdauende musikalische
Experimentierfreude dem Massenpublikum gegenüber verschließen kann.
Bis heute als Meisterwerk abgefeiert, war es dennoch eher ein Album für
die Musiker selbst, denn für das Publikum. "We were making music
for us, we were creating the sounds that only we wanted to hear,"
so Roisin selbstkritisch über diese Phase. Doch mit der Single „Sing
It Back“ sollte der Sternenregen des Erfolges unausweichlich seinen
Initialfunken bekommen: Kaum eine europäische Metropole, in der
Theken-Ladies nicht zu diesen Rhythmen hüftschwingend ihre Cocktails
zusammenbrauten, oder in der verschwitzte Clubber ihren Nachhauseweg
durch das Morgengrauen mit diesem Chorus auf den Lippen antraten. Die
entscheidende Konsequenz des Erfolges war für Moloko, dass sie
begannen, sich weniger introspektiv ins Songwriting zu stürzen, sondern
mehr und mehr den Kontakt zum Publikum zu suchen.
Das dritte Album „Things to Make and Do“ (2000) hatte so vor allem
eine Überraschung parat: Erstmals wurden Live-Instrumente eingesetzt!
Paul Slowley (Schlagzeug) und Eddie Stevens (Keyboards), die diverse
Bands bereits auf deren Touren (neben Moloko auch u.a. Garbage, Pulp)
unterstützt haben, sind nun ein fester Bestandteil von Moloko. Dies ermöglichte
Mark Brydon, seinen signifikanten gefühlvollen Elektonik-Stil noch
facettenreicher zu gestalten, als man dies von den beiden Vorgängeralben
ohnehin schon gewohnt war. Gerade die Hymne „The Time Is Now“
vermittelte dieses besondere „Live-Gefühl“, lies die Band in persönlichere,
individuellere Gefilde vordringen. Dank der perfekt funktionierenden
Synthese aus Brydon's enormen Produktionsfertigkeiten und Murphys
meisterhafter Poesiekunst konnte die Bandbreite der dargestellten
Emotionen erweitert werden. So verwundert es auch nicht weiter, dass
„Things to Make and Do“ in UK mit Platin ausgezeichnet wurde.
2001 brachte “All Back to the Mine”. Ein Doppel-Album voller rarer
und superber Remixe, welche die nie in Vergessenheit geratene
Underground-Credibility von Moloko darstellte.
Das folgende Jahr sollte Mark und Roisin vor einige Entscheidungen
stellen. So beschlossen sie nicht nur, ihren Wohnsitz von Sheffield nach
London zu verlegen (inkl. ihr Sheffielder Studio ab- und in West London
neu aufzubauen), sondern gaben auch dem natürlichen Prozess nach, die
persönliche Beziehung zueinander von einer Partnerschaft in eine
Arbeitsgemeinschaft und Freundschaft zu verwandeln. Und es spricht für
beider Professionalität, dass ihre persönliche Trennung nicht das Ende
Molokos bedeutete... Des weiteren konnte Roisin ihren Status als
Stil-Ikone ausbauen und zählt mittlerweile in dem Inselstaat als wahrer
Star. Die wunderbare Zusammenarbeit mit Elaine Constantine, eine der
derzeit angesagtesten UK-Photographinnen, welche nicht nur für das
Cover zu „I Am Not A Doctor“, sondern auch für das Video zu „Familar
Feeling“ verantwortlich ist, hat dazu sicherlich ihren Teil
beigetragen. Womit wir schlussendlich in der Gegenwart angekommen wären:
„Statues“. Gigantisch. Mit diesem Werk, in dem die Erfahrungen von
mittlerweile vier Alben eingefangen und umgesetzte wurden, darf ohne
Zweifel ein weiteres Mal Popgeschichte erwartet werden. Eine Zeitreise
durch die unterschiedlichsten Elektronik-Epochen (wie in „Cannot
Contain“, in dem die Vergangenheit entfaltet wird, um harmonisch in
die gegenwärtigen Beats zu schmelzen) ist hier ebenso vertreten wie die
brasilianische Rhythmen, welche die erste Single „Familiar Feeling“
zu einem wahren Crescendo der heißblütigen und zugleich nordisch kühlen,
fast schon abgeklärt erzählten Emotionen, treiben. Moloko nutzten beim
Songwriting die unterschiedlichsten Talente aller Beteiligten: So
arrangierte Eddie Stevens die Musik für das 35-köpfige
Streicher-Ensemble und Paul Slowly spielte alle Percussions (im
Gegensatz zu den sonst in der Pop-, bzw. Dancemusik üblichen Prozedur,
die Beats elektronisch erklingen zu lassen) live ein. Produziert und
arrangiert wurde das Gesamtwerk natürlich von Mastermind Mark Brydon.
Ganz zu schweigen von der wieder einmal phänomenal filigranen und
zugleich kraftvollen Sangeskunst Roisins´, deren Möglichkeiten von
einschmeichelndem, katzenartigem Schnurren über die klassische Soul
Mama – Stimme bis hin zu kristallklaren Höhen alles zu bieten hat,
was dem Hörer Gänsehautschauer über den Rücken jagen könnte. Die
Conclusio liegt spätestens nach dem Hören des gesamten Albums
schimmernd und glitzernd wie ein Morgentautropfen auf der Hand:
Passendere Worte zu „Statues“, denn die folgenden, welche Roisin
Murphy im abschließenden, epochalen Track „Over And Over“ gefunden
hat, werden kaum zu formulieren sein:
“No, I won't
interfere
I'm the only sound you'll ever need to hear
Listen to my breath so near
Allow me to be every noise in your ear.”
Quelle: ROADRUNNER
Offz.
Homepage: www.moloko.co.uk
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